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Blutegel

Was ist das?
 
Die Blutegeltherapie ist schon sehr alt und gehört zu den „aus- und ableitenden Verfahren“. Bei dem Saugvorgang kommt es pro Blutegel zu 5 bis 10  ml Blutverlust. Der Blutverlust soll eine (einem Aderlass entsprechende) entstauende, entzündungshemmende und blutverdünnende Wirkung haben. Stoffwechselschlacken und Körpergifte sollen ausgeleitet und der Lymphstrom beschleunigt werden, damit insgesamt die Selbstheilungskräfte des Körpers gefördert werden.
 
 
Was habe ich davon?
 
Entscheidend für die Wirkung ist der Speichel, der bei dem Saugvorgang vom Egel abgegeben wird. Man vermutet im Blutegelspeichel mehr als 100 verschiedene Substanzen, von denen heute nur knapp 25 bekannt und erforscht sein sollen. Die bekanntesten Bestandteile sind Hirudin, Calin, Eglin und Hyaluronidas. Zusammen mit den anderen Stoffen wird diesen Bestandteilen eine gerinnungshemmende, gefäßkrampflösende, lymphstrombeschleunigende, immunisierende und antibiotische Wirkung nachgesagt. Somit ist der Speichel also entzündungshemmend, verbessert die Fließfähigkeit des Blutes, und regt den Stoffwechsel und das Immunsystem an. Einige Bestandteile werden heute schon gentechnisch hergestellt. Trotzdem können sie den Blutegel nicht ersetzen, denn die Wirkung ergibt sich wohl erst durch das Zusammenwirken all seiner Substanzen.
 
Wie sieht die Behandlung aus?
 
Verwenden Sie möglichst einen Tag vor der Behandlung keine Duftstoffe (Parfum, Seife,  Kosmetika, Salben, Duschgel, Rasierwasser) im erweiterten Behandlungsbereich! Sie sollten möglichst nicht rauchen oder sich kurz vor der Behandlung nicht in verräucherten Räumen aufhalten. Essen Sie möglichst nicht zu viel Knoblauch oder andere stark gewürzte Speisen. Das alles mag der Egel nicht. Im ungünstigsten Fall beißt er dann nicht an.
 
Achten Sie auf entsprechend bequeme und  warme Kleidung am Behandlungstag. Bringen Sie sich warme Socken mit und wegen der Dauer evtl. etwas zu Lesen. Da aber der Raum möglichst nicht zu hell sein sollte, können Sie auch ein Hörbuch oder Musik mitnehmen.
 
Je nach Anwendungsort wird die Behandlung im Sitzen oder Liegen durchgeführt.
 
Man spürt einen leichten Brennschmerz beim Ansetzen und in der Anfangszeit auch beim Saugen, der aber als durchaus erträglich beschrieben wird.
 
 
Wie lange dauert die Behandlung?
 
Die Saugzeit der Blutegel ist vorher schlecht zu kalkulieren und beträgt je nach Größe des Blutegels und der Durchblutung der Saugstelle 15 bis 30 Minuten und kann aber auch bis zu 3 Stunden dauern.  Die gesättigten Blutegel lassen meist von alleine los. Sie fallen dann einfach vom Patienten ab.
 
Bei der Terminvergabe sollte man den erhöhten Zeitaufwand mit einkalkulieren und sicherheitshalber 3 Stunden Zeit mitbringen. Bisher habe ich das aber noch nicht erlebt. Im Durchschnitt saugen einige der Tiere 1,5 Stunden, so dass man mit Vor- und Nachbreitung im Regelfall 2 Stunden benötigt.
 
Generell ist das Nachbluten durchaus erwünscht und ist ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Es unterstützt die Reinigung der Wunde und erhöht die Wirkung der Behandlung. Beim Verband achtet man neben einer guten Saugfähigkeit darauf, dass nur wenig Druck ausgeübt wird, damit die Nachblutung nicht beeinträchtigt wird. Das durchschnittliche Nachbluten von 8- 20 Stunden sollte eigentlich nicht gestoppt werden.
 
Am Folgetag ist ein Verbandswechsel unbedingt notwendig.
Das benötigte Verbandsmaterial gebe ich meinen Patienten mit nach Hause.
Bei Schwierigkeiten mit der Nachsorge sollten Sie einfach nochmal in die Praxis kommen.

 
Wann kommt der Blutegel zum Einsatz?
 
 
- Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen
 - Polyneuropathien
 - Arthritis
 - Wirbelsäulenbeschwerden
 - Zerrungen, Verstauchungen
 - Narbenbeschwerden
 - Verbesserung der Durchblutung bei starken und schmerzhaften muskulären
Verspannungen
 - schmerzhafter Arthrose (darüber gibt es inzwischen auch eine Studie)
 - Krampfadern
 - Besenreisern
 - Migräne
 - Bluthochdruck
 - Tinnitus
 - verschiedenen Stauungen im Körper, wie z.B. Lymphstau, Regelschmerzen oder Pfortaderstau.